Die Trostfrau
Roman
Nora Okja Keller aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder- von der Tann
ISBN 380902421X
Limes Verlag München, 2002, www.randomhouse.de/limes
Gebunden, 278 Seiten
Preis: Nur noch Restexemplare zu haben, z.Z. keine Neuauflage geplant
Über den Inhalt:
Beccah lebt mit ihrer Mutter in einer heruntergelebten Wohnung auf Hawaii und während sich die Hände der Mutter beim Spülen der Krabben sich allergiejuckend rot färben, gesteht diese, ihren Ehemann und Beccahs Vater umgebracht zu haben- um ihr gleich darauf zu erklären, dass sich dieses Umbringen lediglich auf das innige Wünschen auf ein Ableben beschränkt. Und damit sind wir auch schon in der Welt von Mutter und Tochter, von Akiko und Beccah, gelandet. Akiko, die in ihrem Leben nicht immer so hieß, fällt öfter- meist zu den unpassendsten Momenten- in Trance und beginnt zu tanzen. Tanzen für die Geister, tanzen für die Verstorbenen. Akiko ist eine schamanisitsiche Seherin und ihre Fähigkeit, mit der Geisterwelt Kontakt aufnehmen zu können, beschert ihr dank des durchaus nicht ganz eigennützigen Auftretens einer gewissen „Tante Reno“ den Unterhalt für die beiden- und Beccah jede Menge peinlichen Ärgers und nervenaufreibender Arbeit. Immerhin ist sie diejenige, die in solchen Phasen komplett auf sich allein gestellt ist.
Erst nach Akikos Tod erfährt Beccah von deren Leben vor Hawaii- in Korea als Zwangsprostituierte eines japanischen Lagers, ihrer Flucht und ihrer anschließenden Oddysee zurück in ein normales Leben, falls dies überhaupt möglich sein sollte.
Fazit:
Soviel die Inhaltsangabe auch Hoffnung auf einen spannenden Roman macht, desto weniger kann dieser den Erwartungen entsprechen. Mit der geständnisreichen Eröffnung schafft sich die Autorin eine vielversprechende Vorlage, die sie aber sogleich auch wieder, in dem die Mutter ihre Tat ins Gebiet des Okkulten relativiert, tüchtig vergibt. Bereits im gleichen Kapitel erfahren wir auch vom Tod der Mutter, womit das Buch unbestreibbar seinen Zenit überschritten haben dürfte.Es folgen- in oftmals nicht leicht nachvollziehbarer Zusammensetzung- flashbackartige Erinnerungsfetzen der Mutter: von ihrer Kindheit, ihrem Verkauf an die Japaner, den Vergewaltigungen, ihrer Flucht, ihren erhofften Schutz im Glauben an den Geburtsgroßmuttergeist Induk . Immer wieder sind diese mit mammalen Artefakten der frühen Jahre ihrer Tochter sowie mit Erinnerungen an ihre Ehe unterbrochen. Nachdem die Mutter mit ihrer Geschichte fertig ist, darf der geplagte Leser dann aus den Analen der Tochter lesen und wird prompt mit den prä-und postpubertären Auswüchsen deren amerikanischen Gesellschaft konfrontiert. Erst das letzte Drittel des Buches kann dann auch wieder über einigermaßen interessante Stellen aufweisen. Aber selbst an den Stellen wird die Katze nicht mehr hinterm Ofen vorgelockt- die große Versöhnung oder Aufarbeitung- die Erkenntnisgewinnung sozusagen, die einzig verbliebene Möglichkeit, beide Characktere zu einem Punkt der Konvergenz zu führen, bleibt leider aus.
Darüber hinaus zeichnet sich Kellers Roman eher als eine schlechte Schwarz- Weiß- Skizze, denn eines facettenreichen Romans aus. Ihr Charaktere Mutter und Tochter entwickeln keineswegs während der knapp 280 Seiten so etwas wie Tiefe oder Originalität. Auch gibte es, einmal von der Reno abgesehen, keine weiteren Charaktere in dem Roman, allenfalls Typen- nicht näher beleuchtete Statistenrollen. Zu Reno wäre zu sagen, dass sie noch die einzige ist, die in ihrer geschäftstüchtigen, kapitalistischen Art ein Original darstellt- das einzige in dem Buch, wohlgemerkt. Zu erwähnen wäre in dem Zusammenhang, dass nichts, aber auch wirklich gar nichtsin den Leben der Beiden mit einen humoristischen Sonnenstrahl beleuchtete wird. Stellen zum Schmunzel wird man vergeblich suchen, umso mehr findet man schroff kontrastierte Weldbilder- in dem Buch gibt es nur Gut und Böse, Wahr und Falsch. Zwischen jenen Polen scheint für die Autorin allerhöchstens Niemandsland zu liegen, über das sich zu schreiben nicht lohnt.
Abgerundet wird das Ganze mit einer stellenweise recht plump wirkenden Sprache- vor allem dann, wenn die Charaktere in betonter Gossensprache sprechen, beginnen die Dialoge unfreiwillig komisch zu wirken- ein Souvenir aus der Übersetzerstube? Oftmals werden darüber hinaus koreanische Begriffe verwendet- unnötiger Weise!- und nicht erklärt- was sich im Laufe der Geschichte ebenso als Quelle subtiler Frustration entpuppt.
Einen überschwänglichen Lesegenuss stellt der Roman also eher nicht dar, weder die Komposition, noch die Figuren und erst recht nicht die Sprache können überzeugen.
Bewertung:
Das Buch kursiert in diversen Auflagen und ist nach wie vor antiquarisch leicht zu bekommen- mitunter ist man mit 5 Euro bereits stolzer Besitzer eines solchen Werkes. Mit 2 von 5 Büchersternen schneidet das Buch hier ab und man kann hoffen, dass das Thema in Zukunft auch weiterhin aufgegriffen und literarisch weiter (und hoffentlich auch solider) aufgearbeitet wird- verdient hätte es dies auf jeden Fall!